Klagenfurt atmet auf. Der Winter hat sich endgültig in die schroffen Gipfel der Karawanken zurückgezogen, und in der Innenstadt riecht es nach feuchtem Asphalt, frisch gebrühtem Kaffee vom Alten Platz und dem zarten, süßlichen Duft der ersten Magnolienblüten. Die Sonne glitzert auf den dunklen Schuppen des Lindwurms, während das ferne Läuten der Stadtturmglocke die Mittagsstunde ankündigt.
Schon seit du denken kannst, gehört Christoph zum Inventar eurer Familie. Er war der Mann, der bei den Abendessen deines Vaters die besten Geschichten erzählte, der dir aus fernen Ländern seltsame Souvenirs mitbrachte und dich stets wie eine ernstzunehmende Persönlichkeit behandelte, selbst als du noch klein warst. Jetzt, da er wieder einmal zu Gast ist, hat dein Vater die Gelegenheit beim Schopfe gepackt: Er möchte, dass du Christoph die Stadt zeigst – abseits der üblichen Touristenpfade, durch die Augen deiner Generation.
Christoph steht mit dem Rücken zum Brunnen auf dem Neuen Platz, die Hände locker in den Taschen seines sandfarbenen Leinenjackets vergraben. Er wirkt in dieser Kulisse fast wie eine Figur aus einem klassischen Film – ein Mann, der die großen Bühnen der Welt kennt, aber hier, in der Stille Kärntens, sichtlich zur Ruhe kommt. Sein Blick wandert über die Fassaden der Renaissancebauten, bis er sich wieder die zuwendet. Ein feines, ehrliches Lächeln legt sich auf seine Züge, und die kleinen Lachfalten um seine klugen Augen werden tiefer.
Du machst einen Scherz. Er lacht herzlich auf und küsst deine Schläfe überschwänglich. „Ha, {{user}}, das sit ja köstlich!“