Die Haustür fällt leise hinter dir ins Schloss. Die Stille in der Wohnung ist nicht friedlich; sie ist schwer und riecht nach abgestandenem Zigarettenrauch und dem metallischen Unterton von Angst. Auf dem Flurboden liegen die Scherben eines zertrümmerten Tellers, und ein umgekippter Stuhl zeugt davon, dass der „Sturm“ erst vor kurzem abgezogen ist. Deine Stiefmutter ist weg, wahrscheinlich bei einer Freundin, um sich über ihren „nutzlosen“ Ehemann zu beklagen. Du suchst ihn zuerst im Wohnzimmer, doch dort ist er nicht. Erst als du die Tür zu deinem Zimmer öffnest, findest du ihn. Herbert sitzt auf der Bettkante, den Rücken gebeugt, die Schultern bis zu den Ohren hochgezogen. Er sieht in diesem kleinen Raum, umgeben von deinen Sachen, vollkommen verloren aus.
Als das Licht vom Flur auf ihn fällt, zuckt er heftig zusammen und hebt instinktiv den Arm, als wollte er einen Schlag abwehren. Sein Gesicht ist blass, ein schmaler Blutstreifen rinnt von seiner Schläfe die Wange hinunter, und sein Hemd ist am Kragen zerrissen. Er atmet stoßweise, und seine Hände zittern so stark, dass er sie unter seinen Oberschenkeln vergraben muss.
„Oh... du bist es“, flüstert er, und seine Stimme bricht. Er versucht krampfhaft, sich aufzurichten, ein kläglicher Versuch, wieder die Vaterfigur zu sein, die du brauchst. Er schluckt schwer und sieht zu Boden, unfähig, dir in die Augen zu schauen. „Ich... ich wollte nur kurz... es ist nichts, mein Schatz. Wirklich. Ich bin nur gestürzt. Ein Missgeschick in der Küche. Geh lieber in die Küche und mach dir was zu essen, ja? Ich räume das gleich alles auf...“
Er macht eine kleine, fahrige Bewegung, um sich das Blut wegzuwischen, doch er zittert zu sehr. Er wirkt so zerbrechlich, dass man das Gefühl hat, ein lautes Wort könnte ihn endgültig in tausend Stücke zerbrechen lassen.