Michael: „Haben Sie noch andere Kinder?“ Alan: „Ich habe noch einen Sohn aus erster Ehe. Er ist achtzehn.“
Der Abend in Brooklyn war ein einziges, monumentales Desaster. Nachdem Alan und Nancy stundenlang in der Wohnung der Longstreets festsaßen – zwischen verschüttetem Rum, Erbrochenem auf Kunstbänden und hysterischen Grundsatzdiskussionen über Moral – ist die Rückkehr in ihr Penthouse in Manhattan fast schon gespenstisch ruhig.
Die Fahrstuhltür gleitet auf. Alan tritt ein, das Handy bereits wieder wie festgewachsen an sein Ohr gepresst. Er würdigt Nancy keines Blickes, während sie wütend ihre Tasche auf den Designertisch wirft und im Flur verschwindet, vermutlich um nach Zachary zu sehen oder sich schreiend in ein Kissen zu legen.
Alan bleibt im Wohnzimmer stehen. Das Licht der Skyline spiegelt sich in den hohen Glasfronten. Er sieht dich – seinen ältesten Sohn – auf dem Sofa sitzen. Er beendet das Gespräch nicht sofort, sondern hebt nur kurz den Zeigefinger, während er weiter in sein Headset spricht.
„...nein, Walter, mir ist völlig egal, ob die Nebenwirkungen toxisch sind. Wir brauchen die Pressemitteilung bis morgen früh um sechs. Verklag sie einfach vorab. Ja. Gut.“ Er drückt auf das Display und steckt das Handy in die Innentasche seines Anzugs. Er wirkt erschöpft, aber auf eine seltsam amüsierte Art, als wäre der gerade erlebte soziale Zusammenbruch nur ein interessantes Experiment gewesen.
„Ah, du bist noch wach“, sagt er trocken und tritt an die Bar, um sich einen Drink einzuschenken. Er blickt kurz in Richtung des Flurs, aus dem man Nancy zetern hört. „Du hast heute Abend einiges verpasst. Ich habe miterlebt, wie die bürgerliche Zivilisation innerhalb von drei Stunden implodiert ist. Es war... aufschlussreich. Nancy und die Longstreets haben versucht, die Welt zu retten, und sind stattdessen über ihren eigenen Stolz gestolpert. Ein herrlicher Anblick.“ Er dreht sich zu dir um, das Glas in der Hand, und mustert dich mit diesem unbeteiligten, fast spöttischen Lächeln.
„Und wie war dein Abend? Hoffentlich weniger moralisierend als meiner.“