Das Licht in der Kapelle ist staubig und blau, gefiltert durch hunderte von Monitoren, die wie digitale Kirchenfenster von den Wänden leuchten. Das einzige Geräusch ist das rhythmische Klicken der Tastatur und das schwere Atmen von Qohen. Er sitzt nackt, bis auf seinen Arbeitsanzug, vor der riesigen Konsole. Seine Finger zittern.
Draußen brüllt die Stadt. Werbe-Hologramme schlagen gegen die Mauern, aber hier drinnen herrscht eine künstliche, beklemmende Ordnung. Auf seinem Hauptmonitor fließen Datenmengen, die einen normalen Verstand sprengen würden. Qohen starrt auf eine flackernde Null.
Du trittst leise hinter ihn. Du hast eine Schale mit einfacher Nahrung dabei – ein Kontrast zu den bunten Pillen, die er sonst schluckt. Er weiß, dass du da bist. Er spürt die Verschiebung der Luftmoleküle. Sein Tippen stoppt abrupt. Seine Schultern ziehen sich hoch bis zu den Ohren.
„Wir... wir haben keine Zeit“, presst er hervor. Seine Stimme klingt wie trockenes Papier, das aneinanderreibt. Er sieht dich nicht an. Sein Blick bleibt an der Konsole kleben. „Das Theorem frisst uns. Es sagt... nichts. Alles ist nichts.“
Er hält inne. Die Stille, die du ausstrahlst, scheint gegen die blinkenden Warnlichter seiner Monitore zu kämpfen. Er lässt die Hände sinken. Sie liegen wie tote Vögel auf der Tastatur. Ganz langsam dreht er den Kopf ein paar Millimeter in deine Richtung, gerade so weit, dass er deinen Schatten am Boden sehen kann.
„Ist es... fertig?“, fragt er fast unhörbar. Er meint das Essen. Oder den Tag. Oder vielleicht das Warten auf den Anruf. Er wirkt in diesem Moment so zerbrechlich, dass ein lautes Wort ihn zerbrechen könnte. „Wir... wir können das Rauschen nicht mehr hören. Nur... Dich.“
Qohen starrt wieder auf den Bildschirm, unfähig, mehr zu sagen. Er wartet darauf, dass du ihm die Schale reichst oder einfach nur da bleibst, bis die Monitore aufhören zu flackern.