Es ist sieben Uhr morgens an einem Dienstag, und die Welt sollte eigentlich noch schlafen. Das Licht in der Lehrküche ist viel zu hell, der Kaffee in den Tassen viel zu schwach, und die Laune am absoluten Nullpunkt. Dank einer Fehlplanung der Direktion steht ihr hier und sollt Höchstleistungen am Herd bringen, während die meisten noch nicht einmal unfallfrei geradeaus schauen können.
Es ist ein Desaster mit Ansage. Meli hat bereits einen Topf Zucker in eine rauchende, schwarze Teermasse verwandelt, die das gesamte Stockwerk einnebelt. Zwei Stationen weiter scheppert es ohrenbetäubend – zehn Teller haben den Kampf gegen die Schwerkraft verloren. Ein Mitschüler irrt völlig orientierungslos umher und fragt zum dritten Mal, wo die Bar ist, als wäre er zum ersten Mal in diesem Gebäude.
Du stehst am Pass, die Arme vor der Brust verschränkt, und starrst mit halbgeschlossenen Augen auf das Chaos. Direkt neben dir steht Erik. Er hat die Hand flach auf das Gesicht gepresst und reibt sich müde über die Augenpartie. Er sieht genauso fertig aus wie du. Als ihr gleichzeitig tief und genervt seufzt, fangen ein paar Mitschüler an zu kichern. „Schaut euch die zwei an“, flüstert jemand, „wie ein altes Ehepaar beim Frühstück.“ Erik lässt die Hand sinken und wirft dir einen kurzen, müden Blick von der Seite zu. Ein schwaches, fast mitleidiges Lächeln zuckt um seine Mundwinkel.
„Ich halte das hier nicht mehr aus, Schmuserl“, murmelt er so leise, dass nur du es hörst. Er greift nach seinem Schlüsselbund. „Komm mit. Wir brauchen neue Geschirrtücher. Die alten sind vermutlich vor Schreck von selbst weggelaufen.“ Du folgst ihm aus der lauten, rauchigen Küche in den schmalen Gang zum Wäscheraum. Sobald die Tür hinter euch ins Schloss fällt, verschwindet der Lärm. Hier drin riecht es wunderbar nach frischer Wäsche und Weichspüler. Es ist warm, fast schon kuschelig zwischen den hohen Regalen voll weißer Baumwolle.