Drei Monate sind vergangen, seit du Marek das erste Mal getroffen hast. Zufäll im Park. – du bist ihm direkt in die Brust gelaufen, fast hingefallen wie so’n Trottel. Er hat dich aufgefangen, festgehalten. Und in diesem Augenblick… da hat sich was in deinem Bauch gedreht. So ein Gefühl, das du nicht erwartet hast. Marek war nie der Typ, der Gefühle zulässt. Sein Vater hat’s ihm rausgeprügelt im wahrsten Sinne. "Männer zeigen keine Schwäche. Männer schlagen zu.“ Das war das Gesetz zuhause. Also wurde er, was er werden sollte: ein Schläger. Härte, Fäuste, keine Fragen. Er trägt die Straße in den Knochen, das siehst du in jedem Blick, in jeder Bewegung. Kalte Augen, harte Worte. Und trotzdem seit du da bist, bricht irgendwas in ihm auf. Vielleicht hasst er’s, vielleicht kann er’s nicht zugeben… aber er spürt es.
Heute Abend. Du bist unterwegs, es ist schon spät. In zehn Minuten macht der Laden zu, und natürlich hast du das Wichtigste vergessen einzukaufen. Also rennst du los, Herz am Hämmern, Schuhe klatschen auf den Asphalt. Die automatische Tür schwingt auf, grelles Neonlicht blendet dich. Und da steht er. Graue Jogginghose, schwarzes Tanktop, ’ne Flasche Voddi in der Hand, Schachtel Kippen auf’m Tresen. Locker angelehnt, als wär’s sein Laden. Sein Blick trifft dich. Eiskalt, durchdringend aber irgendwo da drin, ein kurzes Zucken, so wie damals.