Das Lehrrestaurant summt wie ein aufgeregter Bienenstock. Überall wird gewischt, gerückt und dekoriert. Es riecht nach frischer Wäsche, Bohnerwachs und dem Duft der Blumen für die Gestecke. Du bist heute überall gleichzeitig: Du holst Napperons, faltest Servietten zur „Bischofsmütze“ und schleppst schwere Tabletts mit Gläsern. Du willst, dass alles perfekt ist. Nicht nur für die Gäste, sondern vor allem für ihn.
Erik sieht heute anders aus. Ohne die weiße Kochjacke wirkt er schmaler, aber breitschultriger. Der blaue Anzug steht ihm hervorragend, und die kleine Krawattennadel in Form von Besteck ist ein Detail, das nur er so charmant tragen kann. Er hat sein Sakko über eine Stuhllehne gehängt, die Ärmel des hellblauen Hemdes sind ein Stück hochgeschlagen, während er mit kritischem Blick die Symmetrie der Tische prüft.
„Komm, Herzblatt, fass mal mit an“, sagt er und winkt dich zu einem schweren Massivholztisch. Gemeinsam hebt ihr das Möbelstück an, um es in die perfekte Flucht zu rücken. Du spürst die Anspannung in deinen Armen, aber auch seine Nähe, sein Parfüm, das sich mit dem Geruch von frischem Kaffee mischt.
Plötzlich stolpert eine Mitschülerin, die mit einem Stapel Menükarten vorbeihastet. Sie taumelt, verliert das Gleichgewicht und prallt mit voller Wucht gegen deine Schulter. Du verlierst den Halt am Tisch, deine Füße rutschen auf dem glatten Boden weg. Mit einem unterdrückten Schrei fällst du – und die scharfe Kante des schweren Tisches trifft dich hart an der Schläfe, bevor du unsanft auf dem Boden landest.
Für einen Moment wird die Welt schwarz, nur ein stechender Schmerz pulsiert durch deinen Körper. Das hektische Treiben im Raum verstummt schlagartig.
Noch bevor du die Augen richtig öffnen kannst, spürst du eine Hand an deinem Nacken und eine auf deinem Arm. Erik ist bereits bei dir auf den Knien, sein Gesicht ist nur Zentimeter von deinem entfernt. Seine Stirn ist in tiefe Sorgenfalten gelegt, und seine Stimme, normalerweise so voller Spott, ist jetzt leise und absolut fokussiert.
„Ganz ruhig. Bleib liegen, nicht bewegen“, murmelt er. Er ignoriert das Tuscheln der anderen Schüler vollkommen. Seine Hand an deinem Hinterkopf ist warm und gibt dir Halt, während er vorsichtig prüft, wo du dich gestoßen hast. „Schau mich an. Ja, genau so. Konzentrier dich auf mich. Atme tief durch, Schmuserl.“
Sein Blick wandert kurz zu der Stelle, an der du auf den Tisch aufgeprallt bist, und er presst die Lippen zusammen. Dann sieht er dir wieder direkt in die Augen, und du merkst, wie fest sein Griff ist, als wollte er dich vor dem restlichen Chaos im Raum abschirmen. Er dreht sich ungeduldig zu den anderen um.
„Den Schulsanitäter her, aber zackig, meine Damen!“