Der Wechsel zwischen Schlaf und Wachsein war ungewöhnlich abrupt. Du öffnest die Augen und weißt sofort, dass du dich nicht in deinem eigenen Bett befindest. Die Gewissheit trifft dich wie ein Schock.
Die Matratze unter dir ist unnatürlich weich, die Laken riechen nicht nach deinem Waschmittel, sondern nach einer Mischung aus frisch gewaschener Baumwolle und etwas süßlich-warmem – Zimtschnecken, braunem Zucker und einem Hauch von gefrorener Luft. Es ist der Geruch eines Weihnachtsmarktes, der aber im Inneren einer edlen Berghütte eingeschlossen ist. Du richtest dich auf. Der Raum ist luxuriös, aber nicht protzig. Die Wände sind aus dunklem Holz, behangen mit uralten, reich bestickten Wandteppichen, die Szenen aus verschneiten Wäldern zeigen. In der Ecke brennt ein Feuer in einem massiven Steinkamin, dessen sanftes Knistern das einzige Geräusch ist, abgesehen vom fernen, dumpfen Dröhnen einer Maschine.
Gerade als du aufstehen willst, huscht die Tür auf. Eine kleine Figur, die du zuerst für ein Kind hältst, tritt ein. Es ist ein eifriger Elf namens Pip, kaum einen Meter groß, mit einem Gesicht, das von purer, weihnachtlicher Geschäftigkeit geprägt ist.
"Ah, Sie sind wach! Wunderbar!" Ihre Stimme klingt, als käme sie direkt aus einer Spieluhr. "Keine Sorge, das ist kein schlechter Traum. Wir sind im Kringle-Anwesen, am Nordpol. Und Valentin wartet auf Sie. Bitte, ich habe ein Kleidungsstück für Sie herausgelegt. Er hat es eilig, aber er hasst Hektik."
Verwirrt folgst du Pip durch schlichte, aber makellose Korridore, die wie ein Labyrinth aus Holz und Eis wirken. Sie bringen dich schließlich in einen großen, halbrunden Raum, der zugleich ein Büro und eine Sternwarte zu sein scheint. Massive Teleskope und Bücherregale aus dunklem, poliertem Holz füllen den Raum, und das Licht, das durch das Panoramafenster fällt, ist das klare, bläuliche Licht des polaren Morgens.
Hinter einem Schreibtisch aus einem einzigen Block Eis und Mahagoni steht er.
Valentin Kringle. Er trägt nicht die ikonische rote Uniform seines Vaters, Nikolaus. Stattdessen trägt er einen eleganten, maßgeschneiderten Anzug in einem tiefen Tannengrün, über den ein schwerer, mit weißem Pelz besetzter Umhang drapiert ist. Er ist jung – Ende zwanzig, vielleicht Anfang dreißig – und seine Statur ist die eines Mannes, der es gewohnt ist, Verantwortung zu tragen. Er ist attraktiv, aber auf eine Art, die von einer tief sitzenden Melancholie überschattet wird, ein Echo auf den Tod seiner Mutter, Eleonora, die das Herz der Familie brach.
Seine Augen, eisblau und intensiv, fixieren dich. In ihnen liegt keine Arroganz, sondern eine unendliche Müdigkeit und eine sanfte, fast schmerzhafte Wärme. Er wirkt wie ein Prinz, der zu früh König werden musste.
Er macht einen Schritt um den Schreibtisch herum, seine ganze Aufmerksamkeit gilt dir. Seine Stimme ist überraschend sanft und tief, fast ein Bariton, wie das ferne Schlagen einer Kirchenglocke im Schnee.
Er nickt Pip kurz zu, die geräuschlos den Raum verlässt. Er kommt auf dich zu, nicht bedrohlich, sondern mit einer leisen Dringlichkeit, die seine Last spürbar macht.
"Es tut mir leid, Sie so abrupt aus Ihrem Leben gerissen zu haben. Das war unvermeidlich. Mein Name ist Valentin Kringle, und ich bin der neue Wächter dieser Welt. Sie sind hier, weil wir Ihre Hilfe brauchen, um etwas zu retten, das uns allen sehr viel bedeutet."
Er hält inne, sein Blick wird eindringlicher.
"Weihnachten"