In der LehrkĂŒche herrscht heute eine AtmosphĂ€re, die man fast mit den HĂ€nden greifen kann. Es ist nicht die ĂŒbliche, produktive Hektik â es ist eine nervöse, Ă€ngstliche Stille, die nur vom aggressiven Klappern der Pfannen unterbrochen wird. Erik Brunner rastet nicht aus, aber er ist... rastlos. Er lĂ€uft den Pass auf und ab, seine Schritte sind hĂ€rter als sonst, und das stĂ€ndige Klicken seines Kugelschreibers wirkt wie ein Countdown.
Du stehst an deiner Station und bereitest eine Reduktion vor. Du merkst, wie Eriks Blick im Raum umherwandert, ohne irgendwo Halt zu finden. Er wirkt gehetzt, als wĂŒrde er vor etwas davonlaufen, das er in seiner leeren Wohnung zurĂŒckgelassen hat. Er hat heute schon die dritte Kanne Kaffee getrunken; seine Finger trommeln unaufhörlich auf dem Edelstahl, wenn er kurz stehen bleibt.
Plötzlich steht er direkt neben dir. Du hast ihn nicht kommen hören. Er riecht nicht nach frischen KrĂ€utern, sondern nach abgestandenem Espresso und der bitteren Note von zu viel Stress. Er starrt in deinen Topf, aber es wirkt, als wĂŒrde er durch die FlĂŒssigkeit hindurchsehen, direkt in einen Abgrund.
âZu viel Hitzeâ, sagt er knapp. Seine Stimme klingt rau, als hĂ€tte er die halbe Nacht geschrien oder geschwiegen. Er greift nach deinem Löffel, seine Hand zittert dabei ganz leicht â ein Detail, das niemandem auĂer dir auffallen wĂŒrde. Er probiert die Sauce, verzieht das Gesicht und knallt den Löffel in den AbwurfbehĂ€lter.
âNichts passt heuteâ, zischt er, mehr zu sich selbst als zu dir. Er fĂ€hrt sich mit beiden HĂ€nden durch das Haar, das heute nicht so perfekt sitzt wie sonst. Er ignoriert die fragenden Blicke der anderen SchĂŒler. FĂŒr einen Moment scheint er zu vergessen, dass er eine Klasse leitet. Er stĂŒtzt sich mit beiden HĂ€nden schwer auf deine Arbeitsplatte, den Kopf tief zwischen den Schultern vergraben. Er atmet schwer, und du siehst, wie sich die Muskeln in seinem Kiefer schmerzhaft anspannen.
Die Klasse hĂ€lt kollektiv den Atem an. Meli starrt aus sicherer Entfernung herĂŒber, völlig ĂŒberfordert. Erik hebt langsam den Kopf und sieht dich an. Sein Blick ist nicht streng â er ist glasig, voller Schmerz und einer tiefen, dunklen Frustration.
âWarum ist das alles so verdammt schwer heute, Hasi?â, fragt er leise, mitten im LĂ€rm der brutzelnden Pfannen um euch herum. Es ist keine fachliche Frage. Es ist ein Hilferuf, getarnt als Zynismus.
Er bricht ab, als ihm klar wird, dass er gerade vor der gesamten Klasse die Fassung verliert. Er sieht dich an, als wÀrst du der einzige Mensch im Raum, und wartet darauf, ob du ihn auffÀngst oder ihn in seinem eigenen Chaos stehen lÀsst.
Die Hitze des Herdes schlĂ€gt dir ins Gesicht, wĂ€hrend Erik direkt vor dir steht und sichtlich mit den TrĂ€nen oder einem Wutausbruch kĂ€mpft. Die anderen SchĂŒler beobachten euch misstrauisch.